Supermario's Spielsteine Ausstellung

Die Werkstätten, die Medailleure

Die in Holz geprägten Spielsteine sind eine typische Erscheinung für die Künstler- und Handelszentren Nürnberg und Augsburg. Hier wirkten berühmte Medailleure wie Martin Brunner, Phiiipp Heinrich Müller, Peter Paul Werner, Georg Wilheim Vestner, C. Th. Lauffer oder Christoph Jakob Leherr. Sie schnitten spezielle Stempel für Holzmedaillen. Nur in seltenen Fällen wurden Stempel verwendet, die zum Prägen von Silber- und Bronzemedaillen vorgesehen waren. Vielleicht war für die Holzmedaillen das aufwendige Härten der Stempel nicht notwendig?


4 Medaillen von P.H. Müller
Zuerst Lothar Franz von Schönborn, Erzbischof von Mainz (1695 - 1729)

Im 16. Jh. finden wir noch relativ grob geschnittene Stempel, zum Teil mit Fehlern in der Umschntt. Die geprägten Spielsteine des 17. und frühen 18. Jh sind grundsätzlich von hoher handwerklicher Qualität; mit ihrer meist lateinischen Umschrift und dem fein geschnittenen Bild stehen sie den besten Silbermedaillen jener Zeit nicht nach und können ihre Verwandtschaft mit ihnen nicht leugnen.


Mit den gleichen Stempeln in Holz und in Silber geprägt.

Nicht jeder Stempelschneider oder Medailleur war jedoch erfindungsreich. Viele wiederholten althergebrachte Darstellungen oder variierten sie lediglich. Wie alle Medaillen wurden auch die aus Holz noch lange nach ihrem ersten Erscheinen weiter geprägt. In einem 1742 erschienenen Verkaufskatalog van C. Th Lauffer aus Nürnberg werden zahlreiche Stücke angeboten, die aus der Zeit Friedrich Kleinerts stammten. Lauffer hatte 33 Jahre vorher dessen Prägeanstalt übernommen So finden wir häufig Kombinationen zwischen Vorder- und Rückseite, die in der Zeit oder im Stil nicht zusammen passen. Oft stammen sie noch nicht einmal vom gleichen Medailleur.


Rückseite: Flussgötter Rhein und Main vor Brunnen, darüber das von Putten gehaltene Wappen.

Die Nürnberger Prägeanstalten stellten natürlich nicht nur Holzspielsteine her, sondern auch Rechenpfennige, Medaillen und Zierrat aller Art.


Und hier mit demselben Stempel in Silber

Darstellungen auf den Steinen


Anf. 18. Jh., von Martin Brunner, Stadtansicht Nürnberg "Ich ruhe unter den Schwingen des römischen Adlers"

Anders als etwa beim Schachspiel oder dem Kartenspiel sind alle Spielsteine gleichwertig und nicht in eine Folge gebracht, das Bild des Spielsteines spielt keine Rolle für den Spielablauf. Es dient ausschliesslich zur Verzierung, zur historischen Bildung oder amüsant-moralischen Belehrung.


Um 1650, Leonard Danner
TIBERIUS CLAUDIUS NERO IMPER, Kopf eines röm. Kaisers
Rechts: AGRIPPINA M AGRIPPAE TIBERI VXOR, Frauenkopf.
Die Umschrift gibt den Namen des Kaisers Tiberius vor seiner Adoption durch Augustus wieder.
Vipsania Agrippina, Tochter des Marcus Agrippa, wurde mit 18 Monaten mit Tiberius verlobt, 16 v. Christus fand die Hochzeit statt, sie wurden jedoch 12 v. Chr. wieder geschieden.
Der Kranz und die Umschrift sind mit separaten, ringförmigen Stempeln geprägt. Als Vorbild hat sicher eines der phantasievollen Kupferstichwerken der Zeit gedient. Antike Münzen mit diesem Namen gibt es nicht.

Alle geprägten Spielsteine besitzen eine Vorder- und eine Rückseite. Meist passen diese Seiten thematisch zusammen oder ergeben nur gemeinsam einen Sinn, in einigen Fällen wurden jedoch die Vorder- und Rückseitenstempel von den Prägewerkstätten sinnlos kombiniert. Die Steine der relativ wenigen vollständigen Spiele, die uns überliefert sind, zeichnen sich durch Gleichform in Durchmesser und Dicke aus. Meist gehören die Bilder dieser Steine zu einem Themenkreis. z.B. dem der Türkenkriege. Es gibt iedoch auch vollständige Spiele, bei denen die unterschiedlichsten historischen Darstellungen gemischt sind mit satirisch-moralischen.


Maria Theresia (1740 - 1780)
Unbekannter Medailleur

Herrscherbilder

Die erste, nach 1540 von Leonard Danner in Holz geprägte Serie von Spielsteinen zeigt. stilistisch ganz der Renaissance verhaftet, idealisierte römische Kaiserportraits.

Sie stellen eine Ausnahme dar. Auf den meisten späteren Holzspielsteinen finden wir Bildnisse von zeitgenössischen Fürsten. Schon die frühen geschnitzten Spielsteine zeigten Portraits der gerade regierenden Herrscher.


Gustav II. Adolf von Schweden (1617 - 1632)
Um 1720, von Martin Brunner.
Mit 62mm einer der grössten Spielsteine.

lm 17. und 18 Jahrhundert ähnelt die Darstellung stark den Portraits auf Münzen und besonders den historischen Barockmedaillen, sie nennen wie diese in der Umschrift Namen und Titel des Dargestellten, meist in Latein. Wir finden fast alle populären und wichtigen Herrscher dieser Leit dargestellt, neben den deutschen Fürsten, Kaisern und Königen auch die schwedischen Könige Gustav II Adolf, Karl XI. und Karl Xll, ferner Christian V von Dänemark. Ludwig XIV von Frankreich, Anna und Wilhelm von England, Johann III. von Polen oder die Päpste Innozenz XI. und XII.

Historistische Darstellungen, Krieg und Frieden

Die wichtigsten Ereignisse, die in die Zeit der geprägten Holzspielsteine fielen und auf diesen festgehalten wurden, waren die Türkenkriege mit den Siegen der "Heiligen Liga". Belagerungsszenen, wie die von Wien, Belgrad oder Pressburg, wurden mit vielen Details auch auf den Holzgeprägen festgehalten.


1686, von Martin Brunner
Auf die Eroberung von Ofen (Buda) während der Türkenkriege.
Beschiessung Budas, ein Adler bringt die Kaiserkrone in die belagerte Stadt. Datum als Chronogram.

Friedensschlüsse finden sich meist in Allegorien dargastellt. Eine Medaille von P. H. Müller auf den Frieden von Rijswijk 1697, die auch in Silber und Bronze ausgegeben wurde, zeigt die Friedensgöttin mit Merkurstab unter einem Ölbaum. Auf der Rückseite versucht sie zusammen mit Merkur, mit einem Ölzweig die geborstene Erdkugel mit der Aufschrift EUROPA zu reparieren. Mit dem Frieden von Rijswijk endete vor 300 Jahren der Krieg Frankreichs gegen England, Spanien, Holland sowie den Kaiser. Bei den Verhandlungen vermittelte der schwedisch König.


Rückseite:
Bekrönter polnischer Adler, als Brustschild Medaillon Kaiser Leopolds, auf umgedrehtem Halbmond. Darunter kauernder gefesselter Türke, der von Blitz getroffen wird. Wurde auch für eine Silbermedaille verwendet.


1697, wahrscheinlich von P:H: Müller
Auf den Friedensschluss von Rijswijk, Friedensgöttin und Merkur bemühen sich, die gespaltene Erdkugel mit Aufschrift EUROPA mit Merkustab und Ölzweig zu reparieren.


Friedensgöttin und Merkur in Silber


Weiter Zur Übersicht